Ostthüringer Zeitung

Freitag, 22. Juli 2005

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Poetisches Talent, tragische Figur

Stadt Schkölen tritt der Ernst-Ortlepp-Gesellschaft bei Erinnerung an Schkölener Dichter

Von OTZ-Redakteurin Claudia Bioly Schkölen. Der Schkölener Stadtrat hat beschlossen, der Ernst-Ortlepp-Gesellschaft beizutreten. Für einen Jahresbeitrag von 75 Euro bekennt sich die Stadt damit offiziell dazu, die Erinnerung an einen Dichter wach zu halten, dessen Leben eng mit Schkölen verbunden war.

Ernst Ortlepp, geboren 1800 in Droyßig, verbrachte seine Jugend in Schkölen und kehrte immer wieder hierher zurück. Ausgebildet in Schulpforte, war er mit seinen Gedichten seiner Zeit oft voraus, aber wegen seiner politischen Aussagen, etwa zur Revolution von 1848 auch heftig umstritten. Überliefert sind von Ortlepp u.a. die "Klänge aus dem Neckarthal" (1852) und die "Klänge aus dem Saalthal" (1856). Aus einer Begegnung mit Goethe wurde dessen Ausspruch über Ortlepps Dichterverständnis oft anekdotenhaft zitiert: "Jedes Gedicht ist gewissermaßen ein Kuss, den man der Welt gibt, aber aus bloßen Küssen werden keine Kinder." Ortlepp sei, so Goethe, "ein gewisses poetisches Talent" nicht abzusprechen, er habe sich aber "in die ästhetischsentimentalen Grillen so verfitzt, dass er kein Verhältnis zur Außenwelt finden kann."

Später wird Ortlepp zur tragischen Figur. Berichte über das letzte Lebensjahrzehnt des 1864 Verstorbenen schildern ihn als verkommenen Alkoholiker. Im "Naumburger Kreisblatt" vom 22. Dezember 1860 stand zu lesen: "Der ... Dichter Ortlepp aus Schkölen, welcher bekanntlich in den letzten Monaten Tag für Tag die Gassen wankend und lärmend durchzog, ist kürzlich vom hiesigen Kreisgericht wegen Straßen-Scandals und Vagabondirens zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt und nach Verbüßung dieser Strafe zum zweiten Male nach der Corrections-Anstalt Zeitz abgeführt worden, von wo er, nach länger als einjährigem Aufenthalte erst in der Mitte dieses Sommers unverändert zurückgekehrt war."

Ortlepp starb unter nie ganz geklärten Umständen. Ein Brief vom 4. Juli 1864 berichtet: "Der alte Ortlepp ist übrigens tot. Zwischen Pforta und Almich fiel er in einen Graben und brach den Nacken. In Pforta wurde er früh morgends bei düsterem Regen begraben; vier Arbeiter trugen den rohen Sarg..."

Am 10. Juni 2001 wurde die Ernst-Ortlepp-Gesellschaft in Zeitz gegründet. Sie soll dafür wirken, dass das Werk des Dichters im Gedächtnis bleibt und mithelfen, die Orte seines Schaffens in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu bringen. Die Gesellschaft unterstützt die Ermittlung und Auswertung von Lebenszeugnissen und fördert Veranstaltungen, die Ortlepps Schriften gegenwärtigen Lesern nahe bringen. Die Gesellschaft ist allen Interessenten offen, die den Dichtern, Philosophen und Musikschriftstellern des 19. Jahrhunderts zugewandt sind.

Die Ernst-Ortlepp-Stiftung und der Förderverein Burg hatten am 26. Juni auf der Wasserburg Schkölen einen "Ernst-Ortlepp-Abend" durchgeführt, der im Stadtrat als sehr gelungen eingeschätzt wurde. Mit dabei: der Vorsitzende der Stiftung, Roland Rittig, Literatur- und Kunstwissenschaftler aus Zeitz. Mit ihm habe es auch vor einigen Wochen ein Gespräch gegeben, berichtete jetzt Bürgermeister Herbert Bernhardt. Die Ortlepp-Gesellschaft plane noch in diesem Jahr eine Ausstellung in der Kirche, außerdem Informationsbesuche in Schulen der Region. "Die Gesellschaft agiert deutschlandweit. Es geht dabei auch um die Bekanntheit Schkölens", warb Stadtrat Dr. Matthias Darnstädt (BI) für den Beitritt.

"Mit solchen Veranstaltungen kann man Publikum anlocken. Diese Chancen muss man einfach nutzen."

18.07.2005