Ernst Ortlepps Klänge aus dem Saaletal


Klänge aus dem Saaletaal. Gedichte
Hg. v. R. Rittig und R. Ziemann
Umschlagzeichnung von W. Weiße
mit einem Essay von R. Ziemann über den Dichter
edition STEKO, Halle an der Saale 1999


Der Klappentext:

Die Sammlung von Gedichten Ernst Ortlepps (1800-1864) ist die erste im ausgehenden Jahrhundert; der letzte Gedichtband dieses Autors erschien 1856.
Das Buch soll an einen Dichter aus Droyßig erinnern, der zu großen Bemühungen engagierter deutscher Literatur seinen Teil beisteuerte, dem teilweise Beachtung und Erfolg beschieden waren und den schließlich die Ungunst der Verhältnisse besonders massiv traf.
Ernst Ortlepp ging als „Gescheiterter" in die Literaturgeschichte ein.

DAS DÖRFCHEN.

Das blanke, freundliche Dörfchen

Dort unten im grünen Thal,
Das lächelt so lieblich herüber
Im Abendsonnenstrahl.

Es leuchtet und grüßet und winket,

Umspielt von rosigem Glanz,
Als wär' es ein Sitz des Friedens,
Ein Eden der Ruhe ganz.

Doch leider weiß ich es besser,

Mein Entzücken ist abgekühlt,
Gedenk' ich all der Messer,
Die dort mir den Busen durchwühlt.

Mit dem greisen Goethe hat er gesprochen und mit dem jungen Nietzsche: beide beschäftigte er. Er feierte Martin Luther und Ludwig Börne. Metternich haßte und schmähte ihn.
Wen interessiert, wie die deutsche Romantik aus- und verklang, wie die Dichtung in den Jahren zwischen den Karlsbader Beschlüssen und der Frankfurter Paulskirche in die Politik ging, was das war, das man dann Biedermeierpoesie nannte, und wie schließlich nach der verkommenen und zerschlagenen Revolution die literarische „Heimatkunst" ihren Aufstieg begann, wird an Ortlepps Gedichten nicht vorbeigehen können. Zu ihren Zügen gehören verlorene Hoffnungen und ein verzweifelt rigoroser Wille zur Poesie.


Umschlag-Rückseite:

MEIN LIEBLINGSFLUSS.

Ich sah den majestät'schen Rhein
fit seiner stolzen Berge Kranz
Und seiner Burgen Wiederschein
Sich spiegelnd in der Wogen Tanz;

Doch immer sehnt' ich mich zurück
Zum nievergess'nen Jugendglück
Im Thale
Der Saale.

Ich sah den Neckar, jünglingsgleich
Hinwallend durch das Schwabenland,
In dessen Paradiesesreich
Ich eine zweite Heimath fand:
Doch immer winkte hold und mild
Der alten Heimath Zauberbild
Im Thale
Der Saale.

Ich sah den Hain, den schönen Strom,
Wo seine Woge höher schwoll
An Frankfurts altehrwürd'gem Dom,
Und Deutschland harrte ahnungsvoll:
Doch aus der Wellen Kampf und Streit
Sehnt' ich mich nach der Einsamkeit
Im Thale
Der Saale.

Sei denn gegrüßt viel tausendmal,
O Naumburg. Stadt des Herzens du,
Und holdes. vielgeliebtes Thal,
Das meine Seele wiegt in Ruh!
Gesegnet sei mir nah und fern,
Und sterb' ich nun, so stürb' ich gern
Im Thale
Der Saale.


Inhalt:

Reformationsgedicht (1830)
Washington
Vaterunser des neunzehnten Jahrhunderts
Deutschlands Erndtefest (1831)
Theilungspolitik
An die Fürsten
Ermuthigung
Finis Poloniae?
Die Polen an die Völker
Nachwort
Die rechte Mitte
Im Januar 1848
Das Wort
Bürgerwehrlied
An Börnes Schatten
Deutscher Nationalhymnus
Dichtergruß an Erzherzog Johann
Das Weltgericht
An das Cannstatter Thal
Was ich gewiß weiß
Die Thräne drängt sich ein
Am Neujahrsmorgen
Ich dichte fort
Die grüne Stadt
Mein Lieblingsfluß
Müdigkeit
Das ferne Land
Dichterjugend
An Julia
Napoleon

Die Frühlingsnacht
Erinnerung an Schulpforta
Das Dörfchen
In einer Frühlingsnacht
Pfingstlied
Der Materialismus
Der Tanz
Göthes Verklärung
Das Vexirdorf
Gruß in die Ferne
Die Piloten
Zum Pfingstfeste (1856)
Schiller auf Körner's Weinberg
Moderne Reime
Die Monate
Der nächtige Besuch
Die Himmelsgegenden und der Mensch
Der Krebs
Zum Gutenbergfeste (Stuttgart, 1840)
Luthers Standbild in Wittenberg
Der Klostersaal zu Batalha
Eine Winternacht bei den Todten
Das Lied
Naives Bekenntnis
An die Blumen am Wege
Gefühl
Am Schillersfeste (Stuttgart 1852)

Rüdiger Ziemann: Dichter in tiefer Nacht
Zu Ernst Ortlepps Gedichten



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