Ernst-Ortlepp-Kolloquium und Denkmalseinweihung 2004 in Schulpforte


Am Freitag, den 11. Juni 2004 hatte die Ernst-Ortlepp-Gesellschaft zusammen mit der Landesschule Pforta und dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V. zu einem Kolloquium über Ernst Ortlepp sowie zur Denkmalseinweihung ihm zu Ehren geladen. Die örtlichen Medien berichteten darüber in Zeitschriften (s. weiter unten) sowie auch im Fernsehen. Wir freuen uns, Ihnen hier einen Ausschnitt der Sendung von Welle Süd Regional zeigen zu können. Der Ausschnitt der WMV-Datei für den Windows Media-Player hat einen Umfang von 2,74 MB.


Video von Welle Süd Regional,
gesendet am 17.06.2004, 2.74 MB


Hier das offizielle Programm der Veranstaltung:


Die Mitteldeutschen Zeitung berichtet darüber im Internet am 15. Juni 2004:

Ernst Ortlepp - Eine Heimkehr ins Saaletal

In Schulpforte wurde der Dichter und "Fürst in Lumpen und Loden" gefeiert

VON CHRISTIAN EGER

Schulpforte/MZ. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Ernst Ortlepp, der um 1830 zu den ersten politischen Dichtern Deutschlands gehörte, als ein regionaler Schreckensmann. Ein "Fürst in Lumpen und Loden" sozusagen, der die braven Bewohner des Saaletals zwischen Naumburg und Schulpforte mit "dämonischen" Gesängen und lautstarken, vom Alkohol angefeuerten Selbstansprachen verstörte.
Ortlepp also, Autor freiheitlicher Verse sowie Shakespeare- und Byron-Übersetzer, ernährte sich am Ende seines Lebens von der Bettelei, vom Gelegenheits-Journalismus und dem, was ihm ein Job als "Obstler" einbrachte, der Plantagen in Almrich und Schulpforte zu bewachen hatte.
An seinem mutmaßlichen Todestag, den 13. Juni 1864, wurde Ortlepp von dem 19-jährigen Nietzsche angetroffen, der zu dieser Zeit sein Abitur an der Landesschule Pforta ablegte. Nietzsche über diese Begegnung: Ortlepp habe gesagt, "er gienge sich ein Logis im Saalthale zu miethen". Das tat Ortlepp dann auch - oder nicht? Tatsächlich brach sich der 64-Jährige den Nacken, als er zwischen Almrich und Pforte in einen Chausseegraben stürzte. War es Selbstmord? Oder - was einige Ortleppianer mutmaßen - Mord? Am Morgen danach wurde der Tote auf dem Friedhof von Pforta beigesetzt. Nietzsche: "Vier Arbeiter trugen den rohen Sarg". Ein "Werther"-Zitat als Zusatz: "kein Geistlicher".
Bislang hatte es auch keinen Grabstein gegeben, nicht einmal jenen Gedenkstein, für den Nietzsche und seine Mitschüler 40 Taler gesammelt hatten. Das hat sich nun geändert: Am vorigen Freitag vollzog sich in Schulpforte die "Heimholung" des Ernst Ortlepp - in drei Takten. Eine von dem Steinmetz Christian Späte gestaltete Gedenktafel wurde feierlich enthüllt; für viele der versammelten Dichter-Freunde ein Moment mit Gänsehaut-Faktor.
Und nicht genug. In der Klosterkirche öffnete eine Ausstellung von Bildern, die Dieter Goltzsche und Walter Weiße zu Ortlepp gefertigt haben. Ein Auftakt wiederum zum ersten Kolloquium im Namen des Schriftstellers. "Ich dichte fort, bis dieses Leben schwindet" lautete das Motto der ganztägigen Versammlung im Kleinen Festsaal von Pforte.
Es muss einmal gesagt werden: Kein zweiter Autor der Region hat in den vergangenen Jahren eine vergleichbar gehaltvolle Neu-Entdeckung erleben können, von so viel publizistischem und tätigem Elan vorangetrieben; letzterer verdankt sich den Germanisten Roland Rittig und Rüdiger Ziemann sowie dem Philosophen Hermann Josef Schmidt - den 1988 gestorbenen Theologen Reiner Bohley nicht zu vergessen, der überhaupt erst die Spur zurück zu Ortlepp legte.
Das Kolloquium bildete denn auch ein aufgewecktes Fragen und Forschen ab, das den Bogen von Ortlepps "Bildern des Christentums" (Rüdiger Ziemann) bis hin zum gescheiterten Versuch einer Universitäts-Karriere in Leipzig (Gerald Wiemers) verhandelte. Auch an atemberaubend freihändigen Interpretationen im Blick auf Ortlepps Werk und Ende war kein Mangel. Je schärfer man auf dieses so eigenständig tapfere Leben schaut, um so stärker strahlt es zurück.
Bilder zu Ortlepp: bis 31. 8., Klosterkirche Pforte, täglich

Internet-Quelle: http://www.mz-web.de/

Z U R   P E R S 0 N
Gejagtes Leben

Ernst Ortlepp wird 1800 in Droyßig bei Zeitz geboren und wächst in Schkölen bei Namburg auf. Studium der Theologie In Leipzig. 1830 erlangt er Ruhm durch seine "Polenlieder", darunter "Finis Poloniae" mit der Zeile "Noch ist Polen nicht verloren". 1836 ist Ortlepp als politisch-missliebiger Autor gezwungen, Leipzig Richtung Stuttgart zu verlassen. Bis 1850 legt er 24 Bücher vor. 1864 stirbt Ortlepp unter ungeklärten Umständen.





Einige Bilder aus Pforta von Einweihung, Ausstellung und Kolloqium
Fotos: Helmut Walther


Das Portal von Pforta

Das Ausstellungsplakat von W. Weisse


Roland Rittig u. Karl Büchsenschütz
bei der Denkmalsenthüllung


Denkmal für Ernst Ortlepp
an der Friedhofsmauer von Schulpforta


Prof. H.J. Schmidt bei seinem Einführungsreferat
in der Kirche von Pforta


Unterwegs von der Kirche Pfortas
zum Tagungsraum im Hauptgebäude




Hier ein weiterer Pressebericht, den Roland Rittig zur Verfügung gestellt hat:

Landesschule Pforta

Gedenktafel erinnert an
Dichter Ernst Ortlepp

Mit Enthüllung auf dem Friedhof
beginnt Kolloquium – Ausstellung

Von unserer Redakteurin
HELGA HEILIG

 

Schulpforte. Mit der Enthüllung einer Gedenktafel auf dem Alten Friedhof in Schulpforte, die an Ernst Ortlepp (1800 bis 1864) erinnern soll, begann gestern das Ernst-Ortlepp-Kolloquium 2004 in der Landesschule. Das Kolloquium stand unter dem Motto "Ich dichte fort, bis dieses Leben schwindet". Eingeladen dazu hatte die Landesschule Pforta, der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt und die Ernst-0rtlepp Gesellschaft. Der lange vergessene, erst seit zirka fünf Jahren wiederentdeckte Dichter starb vor 140 Jahren und wurde auf dem Friedhof zu Schulpforte begraben. Wo genau er beigesetzt wurde, ist heute nicht mehr auszumachen, so der Rektor der Landesschule, Karl Büchsenschütz. Er hielt aus Anlass der Gedenktafelenthüllung eine Rede.

Der Rektor verwies darauf, dass 0rtlepp von 1812 bis 1819 Schüler in Pforta war. Ortlepp ging weg von der Heimat, um die Freiheit zu finden. Der Dichter habe den Geist der Freiheit im Dichten gefunden. Am Schluss seines Lebens sei es ihm gelungen, Anschluss zu finden an die Welt seiner Jugend, indem er wieder in Pforta als Aushilfsorganist tätig wurde. Büchsenschütz würdigte das umfangreich dichterische Werk Ortlepps, von dem jedoch nur wenig verlegt worden sei. "Deswegen wird er nicht vergessen. Deswegen pflanzt sich sein Geist hier fort", so Büchsenschütz.

Er dankte Professor Dr. Hermann Josef Schmidt, Roland Rittig und Rüdiger Ziemann. Wenn sie nicht geforscht hätten, wäre Ortlepp verschollen geblieben." Büchsenschütz dankte auch Christian Späte, der "eine dem Geist des Toten angemessene Tafel angefertigt hat". Ortlepp sei einer von 20 000 Schülern, der "wieder ins Gedächtnis gekommen ist". Im Anschluss an diesen feierlichen Akt wurde in der Klosterkirche eine Ausstellung mit Bildern von Dieter Goltzsche und Dr. Walter Weiße eröffnet. Gezeigt werden "Bilder zu Ortlepp" aus dem Bestand der Ernst-Ortlepp-Bibliothek des Museums Schloss Moritzburg in Zeitz. Professor Hermann Josef Schmidt meinte, dass die Ausstellungseröffnung der zweite Akt der Heimholung Ortlepps sei. Er verwies darauf, dass Ernst Ortlepp bereits mit zwölf Jahren Schüler in Pforta war. An dem Ort, wo nun die Bilder zu sehen sind, habe er seinen Orgeldienst verrichtet. Der spätere Dichter, ein Pfarrerssohn, sei ein "Spitzenschüler" gewesen und habe als Genie gegolten. 1851 kam er als Wrack zurück und spielte ab 1853 wieder die Orgel in der Klosterkirche. Die ist nicht mehr vorhanden, stattdessen sind bis August hier die Bilder von Weiße und Glotzsche zu sehen. Bilder, in denen sich die beiden Künstler mit Dichter und Werk auseinander setzen. Schmidt sprach von einem "Perspektivenwechsel". Ortlepp sei am Ort seines Wirkens nun Gegenstand von Zeichnungen und Gemälden.